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08 Aug '18

Lippstadt bekommt Sirenen zurück

Lippstadt bekommt wieder Sirenen: Bis 2021 sollen die neuen Anlagen im gesamten Stadtgebiet installiert werden, um die Bevölkerung im Ernstfall zu warnen – wie zum Beispiel bei den Großbränden im Gewerbegebiet Am Wasserturm. 200.000 Euro nimmt die Stadt dafür in die Hand.

Die Flammen loderten meterhoch, die schwarzen Rauchsäulen waren kilometerweit zu sehen: Gleich zweimal musste die Feuerwehr in den letzten Tagen zu Großbränden ins Gewerbegebiet Am Wasserturm ausrücken – Lippstädter Hartschaum und der Möbelmarkt Deal Sonderposten sind dabei komplett abgebrannt (wir berichteten).

Die Rauchwolken beunruhigten die Bevölkerung – und nicht alle Lippstädter fühlten sich ausreichend über mögliche Gefahren informiert. „Ich habe gar nichts mitbekommen – auch nicht von Lautsprecherdurchsagen“, „Ich habe kein Smartphone“, „Was ist mit Senioren?“, meldeten sich Bürger am Morgen nach dem ersten Großbrand bei Lippstädter Hartschaum in der Redaktion. Für diesen Fall soll es bald wieder flächendeckend das Sirenenwarnsystem geben.

Durchsagen nur lokal begrenzt möglich

Bei Großbrand, Umweltkatastrophe, Hochwasser und Unwetterlage (wie zum Beispiel Orkantief Friederike) wird dann in Lippstadt wieder ein Sirenenwarnton zu hören sein – damit auch Menschen, die kein Handy besitzen oder nachts tief und fest schlafen, gewarnt werden können. „Derzeit geht das in Lippstadt nur über die Warn-App Nina, Radiosender und in einem lokal begrenzten Radius auch über Lautsprecherdurchsagen“, erklärt Joachim Elliger, Fachbereichsleiter Recht und Ordnung.

Vor allem nachts sei es problematisch, die Bevölkerung im Ernstfall zu warnen: bei einigen ist das Handy ausgeschaltet, Radiostationen strahlen ein gemeinsames Nachtprogramm aus und die Einsatzkräfte sind dort, wo sie gebraucht werden – wo es brennt. „Vor Ort wird jeder Mann gebraucht“, so Elliger. Deshalb könne man nicht beliebig viele Einsatzkräfte losschicken, um die Bevölkerung großflächig zu warnen. „Das ist schwierig.“

Aus diesem Grund habe sich die Verwaltung – auch mit Blick auf die jüngsten Ereignisse – dazu entschlossen, bis 2021 eine neue Sirenenanlage zu installieren, die die Bevölkerung flächendeckend warnt. 26 Sirenen sollen die Lippstädter in Kernstadt und Ortsteilen im Ernstfall mit einem Alarmton dazu aufrufen, sich über die Warn-App, die Medien und Co. zu informieren. 200.000 Euro nimmt die Stadt Lippstadt dafür in die Hand. Für das flächendeckende Sirenenkonzept gibt es entsprechende Fördergelder vom Land. „Im Ernstfall können die Sirenen dann digital angesteuert werden“, so Elliger, der als städtischer Rechtsdirektor den Krisenstab leitet, der im Ernstfall einberufen wird – wie zum Beispiel beim nächtlichen Einsatz bei Lippstädter Hartschaum.

Bürgertelefon soll Notruf entlasten

„Erforderliche Maßnahmen werden in Abstimmung mit den Einsatzkräften eingeleitet“, so Elliger. Diese hängen immer von der Art des Einsatzes und des Geschehens ab. „Jeder Einsatz ist anders.“

Vor Ort müssen nicht nur die Einsatzkräfte koordiniert werden, der Krisenstab ist außerdem auf Informationen von Fachleuten angewiesen – ebenso wie die Mitarbeiter, die das Bürgertelefon besetzen, um Ansprechpartner für die Anrufer zu sein, die sonst die Notrufnummer in der Kreisleitstelle blockieren. „Wir müssen zunächst genau gucken, wie mit der Situation umzugehen ist“, so Elliger. Das sei in der Praxis längst nicht so einfach, wie in der Theorie. „Wir versuchen, schnellstmöglich verlässliche Informationen zu kommunizieren.“ Und zwar: sobald es sie gibt. Sofort eine Warnung abzusetzen, sei auch nicht der richtige Weg. „Wir können nicht einfach irgendwas rausposaunen.“

Infos zu Gefahrenlagen

Über die Warn-App Nina – die Notfall-Informations- und Nachrichten-App des Bundes – können Warnmeldungen für unterschiedliche Gefahrenlagen sowie Wetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes schnell in der Bevölkerung verbreitet werden. „Darüber können dezidierte Informationen bis hin zu Verhaltenshinweisen herausgegeben werden“, erklärt Fachdienstleiter Joachim Elliger. Die Warn-App kann für Apple und Android kostenlos heruntergeladen werden.

Quelle: Der Patriot - Lippstädter Zeitung