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14 Jun '19

Sie helfen in der Not - Feuerwehrfrauen

Eine Feuerwehrfigur hat einen langen Zopf: Bei einem bekannten Spielzeughersteller ist die Gleichberechtigung längst angekommen. Einer von drei Feuerwehrleuten ist dort weiblich. In Nordrhein-Westfalen ist es nur eine von 14. Zeit das zu ändern, findet auch die Feuerwehr Lippstadt. Drei Frauen haben dort vor kurzem den Grundlehrgang absolviert. Wir haben Sie gefragt, wie das so ist – als Frau in der Männderdomäne.

Vorurteile gegenüber Frauen in der Feuerwehr? Haben Franzis Berensmeier, Daniela Wiegelmann und Kathrin Krämer „noch nicht gehört“. Wahrscheinlich auch weil sie den Eignungstest genauso bestehen wie die Männer, die am Grundlehrgang teilnehmen wollten. Sehtest, Hörtest, Atemtest und die allgemeine gesundheitliche Tauglichkeit – all das bestätigt der arbeitsmedizinische Dienst im Dreifaltigkeitshospital oder ein Betriebsarzt.

„Dedinghausen war damals der Vorreiter“, erinnert sich Feuerwehr-Sprecher Christian Dicke an die ersten Frauen in Lippstadt, die beim Retten, Löschen, Bergen, Schützen dabei sein wollten. Inzwischen sind 17 von insgesamt fast 400 ehrenamtlichen Mitgliedern weiblich (übrigens vier davon in der Dedinghauser Löschgruppe). Bei der hauptamtlichen Feuerwehrwache arbeitet eine Brandmeisterin (und engagiert sich zugleich ehrenamtlich in einer Löschgruppe). In der Jugendfeuerwehr – es gibt zwei, eine in der Kernstadt und eine in Lipperode – sind acht Mädchen (von 44 Jugendlichen im Alter von zwölf bis 17 Jahren) aktiv.

Es gibt viele Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren. Warum musste es unbedingt die Feuerwehr sein? „Ich bin damit aufgewachsen“, erklärt Franzis Berensmeier. Vater, Onkel, Brüder – alle sind in der Löschgruppe Rixbeck aktiv. Als die 19-Jährige zu ihrem ersten Einsatz ausrückte, einem Dachstuhlbrand in Bökenförde, saß denn auch die halbe Familie auf dem Einsatzwagen.

Bei Daniela Wiegelmann war es eine ganz andere Motivation, die sie zu den Brandschützern brachte. „Ich bin vor einem Jahr nach Lippstadt gezogen und wollte gern Anschluss finden“, sagt sie. Gleichzeitig wollte sich die 42-Jährige aber auch engagieren und da sie als Jugendliche beim Roten Kreuz aktiv war, lag der nächste Schritt nah. Von ihren Arbeitskollegen bei der Hella wurde Kathrin Krämer überzeugt. „Guck dir das doch mal an“, haben sie gesagt und seitdem ist die 29-Jährige nicht nur bei der Werks-, sondern auch bei der Freiwilligen Feuerwehr dabei.

Es ist vor allem der Kameradschaftsgeist, der die drei schwärmen lässt. Vor allem die letzten beiden Module der Grundausbildung, als es um die Praxis ging und man in Gruppen zusammenarbeiten musste, habe viele zusammengeschweißt. „Da kommt kein Einzelkämpfer durch“, sagen sie.

Als nächstes steht der Atemschutzgeräteträgerlehrgang an. Auch da können die drei Frauen wieder beweisen, dass sie ihren Mann stehen können. Oder – wie es Kathrin Krämer ausdrückt – dass sie manche Aufgaben „besser als mancher Kerl“ bewältigen können. Und dass es ihnen nicht, wie ein Artikel des Online-Nachschlagewerks „Wikimannia“ unterstellt, nur um das „Gesehen-werden“ geht.

Ausbildung

Frauen (und auch Männer), die sich bei der Feuerwehr engagieren möchten, können sich für die Teilnahme an der nächsten Grundausbildung anmelden. Sie wird voraussichtlich im Herbst 2019 beginnen, dauert etwa 160 Stunden und umfasst vier Abschnitte (Module). Zwei Frauen haben sich bereits angemeldet, so Wehr-Sprecher Dicke. Mehr Infos können per E-Mail an kontakt@feuerwehr-lippstadt.de angefordert werden.

Quelle: Der Patriot - Lippstädter Zeitung

Foto: Christian Dicke (Feuerwehr Lippstadt)

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