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09 Aug '18

Gruselig und gefährlich

Wir haben das Feuer gerochen. Beim Blick vor die Tür des Verlagsgebäudes war klar: Es brennt in direkter Nachbarschaft – und wie. Als Fotograf und Redakteur machen wir in einem solchen Fall unseren Job: wir informieren, wir berichten. Mit Kamera, Stift und Block ging’s zu Fuß zum Einsatzort. Wir hörten, wie Gasflaschen explodierten, hörten das Bersten der Fensterscheiben, sahen den Scherbenregen, spürten die Hitze des Feuers. Es war eine gruselige, extrem gefährliche Situation. Deshalb ist es kaum zu glauben, dass Menschen freiwillig zu Einsatzorten eilen, um als Katastrophentouristen mit dem Handy Foto- und Filmaufnahmen zu machen, um sie dann per Nachrichtendienst zu verschicken und in sozialen Netzwerken zu veröffentlichen.

Nicht nur hinter den Absperrungen tummelten sich Gaffer – Männer, Frauen, sogar Kinder. Bei Facebook veröffentlichte Videos zeigen, wie vorbeifahrende Autofahrer das Feuer vom Fahrersitz aus filmen. Die Lust am Katastrophen-Voyeurismus behindert nicht nur die Arbeit der Einsatzkräfte, die sich der Gefahr aussetzen, um zu löschen, zu retten, zu bergen, zu schützen. Jeder, der kommt, um zuzuschauen, bringt sich selbst – und durch waghalsige Aktionen auch andere – in Gefahr. Und das ist kein Handy-Film und kein „Gefällt mir“ der Welt wert.

Kommentar von Carolin Cegelski (Der Patriot - Lippstädter Zeitung)