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12 Jul '18

Beim Wohnungsbrand hat Feuerwehr ein Zeitproblem

Es war im November 2008, da stellte die Bürgergemeinschaft die Frage, wann denn der damals schon überfällige Brandschutzbedarfsplan endlich vorgestellt werde. Doch offenbar mahlen auch Florians Mühlen mitunter langsam: Erst jetzt, fast zehn Jahre nach der BG-Anfrage und 16 Jahre nach der letzten Brandschutzanalyse, liegt der 170-seitige Bericht dem Stadtrat vor. Dabei soll der Plan, mit dessen Hilfe Schwachstellen im Brandschutz erkannt und entsprechende Verbesserungen für die Feuerwehr eingeleitet werden sollen, an sich alle fünf Jahre erstellt werden.

Und so räumte auch Bürgermeister Christof Sommer (CDU) am Montagabend in der Ratssitzung ein, dass „es Zeit wird“. Der Brandschutzbedarfsplan habe „ein gewisses Alter“. Ungeachtet dessen gab es gegen den Bericht, der laut Sommer „aufzeigt, wo man hin will“, keine Einwände. Einstimmig wurde der Brandschutzbedarfsplan von allen sieben Fraktionen gutgeheißen.

Zudem wurde beschlossen, die Finanzmittel (etwa für Umbau und Sanierung von Gerätehäusern) zu gegebener Zeit zur Verfügung zu stellen. Während die Kosten für die einzelnen Löschgruppen-Domizile noch unklar sind und auch noch keine Entscheidung über die im Bericht angeregte Zusammenlegung von Löschgruppen bzw. Standorten getroffen wurde, steht schon jetzt fest, dass bis zum Jahr 2023 fünfeinhalb Millionen Euro in den Wehr-Fuhrpark investiert werden.

Ein Standort schnitt mit „Ungenügend“ ab

Bei dem fast diskussionsfreien Tagesordnungspunkt goss einzig Linken-Sprecher Michael Bruns Wasser in den Wehr-Wein. Er finde es „sehr seltsam“, dass angesichts der zahlreichen aufgezeigten Mängel gleichzeitig von einer „gut aufgestellten“ Feuerwehr die Rede sei. So wurden zwei Standorte als „mangelhaft“, einer sogar als „ungenügend“ bewertet. Wenn der Brandschutz in Lippstadt funktioniere, dann sei das allein den 90 haupt- und 400 ehrenamtlichen Feuerwehrleuten zu verdanken, sagte Bruns.

Überhaupt nicht nachvollziehbar finde er es, dass auch kleinere Maßnahmen, mit denen beim Ausrücken wertvolle Zeit gespart werden könnte, nicht längst umgesetzt wurden, beispielsweise die sofortige Alarmierung der Einsatzkräfte beim Eingehen des Notrufs oder eine Ampel an der Ausfahrt der Wache. Das sei „extrem schräg“, meinte Bruns.

Bürgermeister Sommer verwahrte sich gegen die Kritik. Er wolle „den Eindruck nicht stehen lassen, dass das Mist ist“. In den vergangenen Jahren sei in die Feuerwehr „sehr viel investiert“ worden. So sei das Personal der Rettungswache „in den letzten Jahren verdoppelt“ worden. Zudem „gibt es keinen Brandschutzbedarsfpan, der mängelfrei ist“. Sein Urteil: „Wir sind gar nicht so schlecht.“

Aber kann das Ergebnis wirklich zufriedenstellen? Insbesondere bei den „Hilfsfristen“ – also jener Zeit zwischen Notruf und Eintreffen der Rettungskräfte am Einsatzort – hapert’s.

Aufsicht schaute nicht so genau hin

Dabei geht es vor allem um die im Feuerwehr-Jargon als „zeitkritisch“ bezeichneten Einsätze, also etwa Wohnungsbrände, bei denen Menschenleben in Gefahr sind. Hier wird das Schutzziel laut Bericht deutlich unterschritten. Im Jahr 2007 war die erste Löschgrupe noch bei deutlich über 90 Prozent innerhalb der selbst gesteckten Acht-Minuten-Frist vor Ort. Im Jahr 2016 sank die Quote auf unter 60 Prozent. Die Arbeitsgemeinschaft der Berufsfeuerwehren setzt als Ziel hingegen 90 Prozent an, die Stadt geht in dem nun beschlossenen Brandschutzbedarfsplan von 80 Prozent aus. Bisher hat die Stadt laut Gutachterin offenbar nur „Glück gehabt“, dass die Bezirksregierung bei den Hilfsfristen nicht so genau hingeschaut oder den Rückgang einfach hingenommen hatte.

Umbau

Einstimmig hat der Stadtrat auch die Erweiterung der Feuer- und Rettungswache an der Geiststraße beschlossen. Für eine Viertelmillion Euro werden dort die Umkleideräume erweitert. Für die 87 hauptamtlichen Kräfte steht aktuell 53 Quadratmeter zur Verfügung; vorgeschrieben aus Gründen der Unfallverhütung sind laut Stadt 104 Quadratmeter. Dessen ungeachtet gelte es den Standort „generell zu überprüfen“, wie Bürgermeister Sommer sagte. So ist davon die Rede, dass die Wache aus der Innenstadt an einen anderen (verkehrsgünstigeren) Standort verlegt wird. In den Blick gerät dabei vor allem das ehemalige Union-Gelände.

Quelle: Der Patriot - Lippstädter Zeitung