11 Apr '13
Übung an Dramatik nicht zu überbieten
Dramatische Szenen am Wehr in Benninghausen. Auf der Lippe ist ein Schlauchboot gekentert, ein Kind dargestellt von einer Puppe in den Lippefluten versunken.
Ein zufällig vorbei kommender Passant löst den Notruf aus und springt hinterher und taucht nicht mehr auf. Das ganze geschieht vor den Augen der 17-jährigen Hannah Spieker, die bis zu den Knien im Wasser steht und laut Übungsdrehbuch erleben muss wie ihr Neffe und der Retter in den Fluten versinken.
Um 19.20 Uhr löst die Rettungsleitstelle Alarm aus. Schon wenigen Minuten später treffen Feuerwehr und DLRG am Wehr in der Dorfstraße ein. Was jetzt vor Ort abläuft ist in diesem Bereich eine Premiere für beide Einheiten und an Realität kaum zu überbieten. Einsatzleiter Thomas Schäfer (Löschgruppenführer Lohe) setzt sofort Kräfte ein, um die junge Frau, die heftig Gegenwehr leistet, aus dem Wasser zu retten und zu betreuen.
Andere Feuerwehrmänner, insgesamt eine Frau und 11 Männer der Löschgruppe Lohe sind mit einem Löschgruppenfahrzeug und einer Drehleiter mit Korb im Einsatz, suchen zur eigenen Sicherheit mit Schwimmwesten ausgestattet, den Uferbereich beidseitig der Lippe auf eine Länge von 150 m flussauf- und abwärts ab. Fast zeitgleich rüsten sich die 12 Retter der DLRG, die mit zwei Tauchtrupp Fahrzeugen und einem Mehrzweckboot angerückt sind für ihren Einsatz aus.
Binnen kürzester Zeit ist ein DLRG Bootstrupp mit einem Schlauchboot auf der Lippe und beginnt mit der Suche. „Wassertemperatur 5 Grad, Strömung ca. 1,5 Meter pro Sekunde, Wassertiefe ca. 3 Meter, die beiden Vermissten sind zuletzt in Höhe der Brücke gesehen worden“, weist Taucheinsatzführer Stefan Jonas die beiden Einsatztaucher Markus Magner und Helge Spieker in die Lage ein.
Die beginnen unterstützt durch Leinenführer und der Drehleiter der Feuerwehr, die den Bereich aus der Höhe ausleuchtet, mit ihren Taucheinsatz. Um den Bereich der Spundwände am Wehr und das nicht einsehbare Ufer abzusuchen, muss jetzt auch ein Feuerwehrmann in das Wasser. Ausgestattet mit einem Kälteschutzanzug und von seinen Kameraden mit Sicherungsleine gesichert arbeitet er sich von der Anlegestelle hin zum Wehr vor.
In der Nähe der Brücke haben die Taucher nach 25 Minuten die versenkte Puppe gefunden. Ein gemischter Trupp der Feuerwehr und der DLRG hat zur gleichen Zeit den zweiten Vermissten, der von dem stellvertretenden Löschgruppenführer Markus Raböse gespielt wird, „bewußtlos“ im Wasser im Bereich der Spundwände gefunden. Markus Raböse, der zudem als Einsatztaucher der Stufe 2 bei der DLRG Lippstadt aktiv ist, hatte die Alarmübung in allen Einzelheiten geplant und mit Hannah Spieker in die Tat umgesetzt.
Um ihn zu retten muss noch einmal ein Feuerwehrmann im Kälteschutzanzug in die knapp 5 Grad kalte Lippe steigen und den „bewusstlosen Mimen“ an das rettende Ufer schleppen, lebenserhaltende Maßnahmen wurden sofort durch die DLRG und der Wehrleute eingeleitet. „Wir wollten die Arbeit der DLRG in einer Einsatzsituation kennenlernen, dabei die Zusammenarbeit vertiefen und die Kommunikation erproben. Um Vertrauen, das im gemeinsamen Einsatz unabdingbar ist, aufzubauen, sollten sich die Beteiligten bei einer Alarmübung kennenlernen“, so Markus Raböse bei der Abschlussbesprechung im Feuerwehr-Stützpunkt West.
Für die DLRG, so Taucheinsatzführer Stefan Jonas, die mit insgesamt 12 Aktiven, davon sechs Tauchern vor Ort war, ging es um die Abstimmung untereinander, den Erwerb der Ortskenntnis, die professionelle Durchführung des Taucher- und Rettungseinsatzes, die Funkkommunikation und die Zusammenarbeit vor Ort und in der Einsatzleitung.
Beides klappte so gut, das ein sichtlich begeisterter Löschgruppenführer Thomas Schäfer den DLRG Leiter Bernd Spieker und seine Retter spontan zu weiteren Übungen und Ausbildungseinheiten zum Schutz der Menschen in der Region einlud und sich für die hoch professionelle und vor allem schnelle Arbeit aller Beteiligten bedankte. Bei Steaks und Würstchen nutzten die Retter die Gelegenheit und vertieften im Gespräch die Zusammenarbeit und Kameradschaft.
Fotos und Text: Dieter Dreier (Feuerwehr Lippstadt)