07 Mai '12

Michael Nagelmeier verstärkt die Arbeitsgemeinschaft Notfallseelsorge

„An Grenzen begleiten“, lautet ihr Auftrag – und den haben sich die Einsatzkräfte der „Arbeitsgemeinschaft Notfallseelsorge“ an 365 Tagen im Jahr auf die Fahnen geschrieben.

Wann immer sich Menschen von jetzt auf gleich in einer psychischen Ausnahmesituation befinden und Stabilisierung brauchen, können die Notfallseelsorger, die an ihren violetten Einsatzjacken zu erkennen sind, über die Kreisleitstelle angefordert werden.

Mit Michael Nagelmeier von der Freiwilligen Feuerwehr Geseke erhält die Arbeitsgemeinschaft Soest-Ost nun Verstärkung. Der 25-jährige Hauptfeuerwehrmann begibt sich seit März des Jahres auf ganz neues Terrain. „In Notsituationen möchte ich Menschen zur Seite stehen, damit ihr Leben nicht komplett aus den Fugen gerät“, sagt der Einzelhandelskaufmann auf die Frage, warum er sich für die Ausbildung zum Notfallseelsorger entschieden hat.

Nach sechsmonatiger theoretischer Unterweisung „Notfallseelsorge und Krisenintervention“ im Rettungszentrum des Kreises Soest absolviert Nagelmeier nun sein Praktikum – stets begleitet von Praxisanleitern. Erfahrene Kollegen stehen ihm im Einsatz und auch danach zur Seite, um seine Handlungskompetenzen zu erweitern und gemeinsam mit ihm das Erlebte nachbereiten zu können.

Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst greifen immer häufiger auf das Angebot Notfallseelsorge zurück: sei es, um gemeinsam Todesnachrichten zu überbringen oder um die Begleitung körperlich Unverletzter, aber seelisch massiv Betroffener an Unfallstellen zu gewährleisten. Ein weiterer Schwerpunkt der ausschließlich ehrenamtlich geleisteten Arbeit sind Einsätze im häuslichen Bereich - wenn Angehörige nach einem plötzlichen Todesfall oder einem Suizid den Boden unter den Füßen verloren haben und jemanden brauchen, der dann für sie da ist. So geht es in erster Linie um Erste Hilfe für die Seele, um das schier Unbegreifliche begreifen zu können.

Für diese Einsatzindikationen standen im östlichen Kreis Soest zuletzt neun Spezialkräfte der Freiwilligen Feuerwehren, des Malteser Hilfsdienstes und des THW rund um die Uhr zur Verfügung – und wurden im vergangenen Jahr 78 Mal angefordert.

Seine Feuertaufe hat Praktikant Nagelmeier bereits mit Bravur bestanden. „Michael ist aufgrund seiner langjährigen Einsatzerfahrung als Feuerwehrkraft eine echte Bereicherung für uns“, freut sich Heike Gösmann (Feuerwehr Lippstadt), die Koordinatorin der Arbeitsgemeinschaft. Der neue Kollege habe in der praktischen Arbeit gezeigt, dass er ein hohes Maß an Empathie mitbringe. „Die Fähigkeit, sich einfühlen zu können, ist für uns Notfallseelsorger das wichtigste Handwerkzeug“, hebt Gösmann hervor.

Die Arbeitsgemeinschaft Notfallseelsorge Soest-Ost ist vorrangig zuständig für Geseke, Lippstadt, Erwitte, Anröchte, Rüthen und Warstein. Sie wird darüber hinaus auch alarmiert, wenn die Kollegen im Westkreis Verstärkung brauchen und wenn bei Großschadenslagen überörtliche Hilfe vonnöten ist. So waren zwei Notfallseelsorgerinnen der Arbeitsgemeinschaft auch beim Jahrestag des Duisburger Love Parade Unglücks im Einsatz.

Text und Fotos: Arbeitsgemeinschaft Notfallseelsorge

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